Wozu Artikel 13, wenn es keine Zukunft gibt?

 

Die Folgen, wenn Artikel 13 der Europäischen Urheberrechtsreform eingeführt wird, sind gar nicht mal so schlimm, wie es oftmals geäußert wird. Es wird lediglich ein Upload Filter eingeführt, der kopiergeschütztes Material abfängt, wenn zum Beispiel ein YouTuber ein Lied klaut und es in seinem Video veröffentlicht. Dass YouTube dadurch abgeschafft wird, was viele denken, ist jedoch nicht beabsichtigt.

 

Beim Klimawandel sieht das ganz anders aus – und viel schlimmer. Wenn wir in diesem Fall nichts dagegen unternehmen, passiert folgendes: steigende Meeresspiegel, Naturkatastrophen, Extremwetterlagen, Hitzewellen, Ernteausfälle, Verlust von Lebensraum, Artensterben, Zusammenbruch von Ökosystemen und dadurch verursachte und verstärkte Flüchtlingsströme.

 

Wie schlimm es letzten Endes werden wird, hängt davon ab, wie wir uns jetzt verhalten: Denn jeder einzelne kann direkt etwas für seine persönliche Klimabilanz tun.

 

Viele Politiker finden es jedoch lächerlich, dass Jugendliche weltweit auf Demos wie etwa FridaysForFuture gehen. So sagte zum Beispiel Christian Linder, Bundesvorsitzender der FDP: „Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen.“ Das sei vielmehr „eine Sache für Profis“, so Lindner.

 

Oder äußert sich darin etwa Kritik an einem mangelhaften Interesse der Jugendlichen am Klimaschutz? Denn gleichzeitig mit den aufkommenden FridaysforFuture-Demonstrationen haben auch viele Demos gegen Artikel 13 stattgefunden, zu denen zahlreiche Schüler auf die Straße gegangen sind und regelmäßig den Schulunterricht geschwänzt haben.

 

Was das Schlimme an der Sache ist, dass mehr Jugendliche zur Artikel-13-Demo gehen, statt zu einer Demonstration, die mit der Zukunft zu tun hat, ist, dass den Demonstranten zum großen Teil die Weitsicht auf die Bedeutung der beiden Themen fehlt: Was hat ein Schüler davon, wenn er ein paar Jahre ohne Probleme YouTube gucken kann, statt seinen Beitrag für die Sicherung der Zukunft zu leisten? Ganz genau! Nichts!

 

Mein Wunsch wäre daher, dass bereits Jugendliche ein Bewusstsein für die wichtigen, auch sie selbst betreffenden Probleme entwickeln – und dabei auch von Erwachsenen unterstützt und ernstgenommen werden.

 

Lino Roppelt