Stolpersteinrundgang in Heiligenhaus

Stolpersteine sind kleine Metallplatten, die im Boden befestigt sind. Sie heißen aber nicht Stolpersteine, weil man wirklich darüber stolpert, sondern damit man mit den Gedanken darüber stolpert, wenn man an ihnen vorbei geht. Der Erfinder, Gunter Demnig, verlegt jeden Stein persönlich. Das Problem ist aber, dass Stolpersteine Geld kosten. Deshalb sucht man Spender, die die Verlegung der Steine finanzieren. Jeder Stolperstein steht für einen Menschen, der anders war. Eine andere Hautfarbe, eine andere Meinung oder ein anderer Glaube. Auch für verfolgte Juden gibt es Stolpersteine. Auf dem Stein stehen der Vor- und Nachname, das Geburtsjahr und die Geschichte der jeweiligen Person.

Stolpersteine sollen dazu dienen, dass man die schlimme Zeit des Nationalsozialismus nie vergisst und dass so etwas nie wieder passiert. Die Steine sind ein großer Teil der deutschen Erinnerungskultur.

Julian Gentemann

Wir, die Jugendreporter-AG der Realschule Heiligenhaus, haben uns alle am Montag, dem 13.11.17, als Gruppe am Computerraum der Schule getroffen und sind von dort aus losgelaufen. Zusammen mit Frau Düsterhöft von der Evangelischen Kirche Heiligenhaus haben wir uns fünf Stolpersteine angesehen.

 

Zuerst waren wir am Stolperstein von Franz Frerich. Er wurde im Jahr 1883 geboren. Am 27.12. 1943 wurde er verhaftet und kam ins Zuchthaus Brandenburg. Nach mehr als einem halbem Jahr wurde er am 28.07.1944 dazu verurteilt hingerichtet zu werden. Das geschah dann am 22.08.1944.

In seinem offiziellen Protokoll steht, dass er [Franz Frerich] während seiner Arbeitszeit Äußerungen gegen Hitler und das 1000-jährige Reich gemacht hat. Aufgrund dessen wurde er wegen "Wehrkraftzersetzung" durch den Volksgerichtshof in Berlin zum Tode verurteilt und am 28. August 1944 durch das Fallbeil hingerichtet.

Houda Ali

Zu der Zeit war man vor nichts sicher und konnte nicht mal seinem Freund oder seiner Freundin Geheimnisse erzählen. Man musste befürchten, dass der eigene Freund oder der Nachbar für Hitler und seine Leute gearbeitet hat. Auch wenn man schwul war, musste man aufpassen, da man sonst verhaftet wurde. Es musste nur passieren, dass jemandem auffiel, dass man mit einer Person oft zusammen unterwegs war, und schon wurde man entlarvt.

Eine Station war auch der Stolperstein von Adele Jacobs. Sie wuchs mit fünf Geschwistern auf, wobei ein Kind in frühem Alter starb. Ihre Eltern hießen Salomon Jacobs und Luise Voß. Adele war die jüngste. Sie hatte keinen Mann, aber lebenslanges Wohnrecht in der Wohnung ihrer Eltern. Sie und ihre Familie waren angesehene Leute in der Stadt. Mit 51 Jahren wurde sie nachts aus dem Schlaf gerissen. Ein paar Männer kamen in ihre Wohnung und randalierten dort. Die Fenster wurden vernagelt, ihre Wände wurden zerkratzt und sie war daraufhin so aufgebracht, dass sie im Nachthemd auf die Straße lief und um Hilfe rief. Viele dachten sich "Was ist denn mit der los? Die ist doch verrückt!". Andere wollten Hilfe leisten, hatten aber Angst, als Verräter Hitlers dazustehen. Schließlich kam Adele 1939 in die "Heilanstalt" Grafenberg, wo sie mit einer Giftspritze ermordet wurde.

Es wäre gut darüber zu schreiben, wie schlimm es eigentlich wirklich war. Wenn man politisch, sexuell, oder auch in irgendeiner Hinsicht anders war, dann war das Risiko hoch, dass man in Gefangenschaft kam oder gar hingerichtet wurde.

Paul Grimm

Schließlich waren wir bei den Stolpersteinen von Rosa und Karl Aron. Sie waren verheiratet, hatten einen Sohn und ein angesehenes kleines Geschäft unter ihrer Wohnung. Über ihrer Wohnung lebte eine Mieterin namens Frau Renn. In der Nacht vom 9.11. auf den 10.11.1938 wurden sie Opfer der Progromnacht. Auch in ihrer Wohnung wurde randaliert. Die Mieterin Frau Renn sagte, dass sie davor gewarnt worden und ursprünglich Schlimmeres geplant gewesen sei. Im gleichen Jahr noch wurde das Paar mit Drahtseil aneinander gekettet in der Ruhr gefunden. Zur heutigen Zeit befindet sich dort der Stausee. Die Mieterin sagte, es sei Selbstmord gewesen. Wissen tut das aber keiner genau.

Artur Jacobs' Schwester erzählt in ihrem Buch "Der Mann mit dem Hut" von den schrecklichen Ereignissen, die sie damals mitbekommen hat, wie zum Beispiel den Gestank, der immer aus dem Schornstein der riesigen Lager gekommen ist und sie damals nicht gewusst hat, was das überhaupt ist. Sie erzählt außerdem von ganz vielen Bussen, die mit sehr vielen Menschen gekommen und leer wieder weggefahren sind.

Jenny Wenzel

Zum Schluss waren wir bei dem Stolperstein von Artur Jacobs. Er wurde 1883 geboren und war der Bruder von Adele Jacobs. Artur war Vater und wurde 1938 nachts aus dem Schlaf gerissen und in seiner Wohnung verhaftet. Erst später kam heraus, dass er als "Sozialschmarotzer" verhaftet worden war. Weder seine Frau noch seine Kinder wussten, wo er war. Artur kam einmal frei, wurde aber danach direkt wieder verhaftet. Er war in mehreren Konzentrationslagern. Die meisten, die einmal verhaftet wurden, sind dann auch nicht mehr freigelassen worden. Erst später wurde bekannt, dass der Familienvater im Konzentrationslager ist. Dort wurde jeder gequält, um zu zeigen wer die Macht hat. Die Mutter der Familie lebte mit ihren drei kleinen Kindern drei Monate im Wald, weil sie solche Angst hatte. Sie merkte, dass ihre Kinder keine Zukunft haben würden, und schickte sie ins Ausland, in einem Zug von Düsseldorf nach Holland. Sie kamen wohl schlussendlich in ein von Nonnen geführtes Kinderheim. Die Mutter kam zwischendurch noch zu den Kindern und besuchte sie, ist aber trotzdem jedes Mal zurück nach Deutschland gefahren. Warum sie sich nicht auch in Holland in Sicherheit gebracht hat, weiß keiner. Aber eins stand fest: Ihr Mann kam nie wieder zurück nach Hause. Er wurde 1942 in der Landesanstalt Schloss Hartheim, was an der Grenze zu Frankreich und der Schweiz liegt, ermordet.

Hendrik Weber