Interview mit Maik Scheffler, Rechtsextremismus-Aussteiger

Als ehemaliges NPD-Mitglied arbeitet Maik Scheffler heute als Referent für "EXIT-Deutschland", einem Aussteigerprogramm für Personen aus der rechtsextremen Szene. Den Jugendreportern erzählt er von seiner Vergangenheit als Rechtsextremist und den besonderen Bedingungen in seiner Heimat, die zu extremistischen Tendezen geführt haben.

 

 

Offenes Haus NRW: Haben Sie noch Interesse an Politik? Bei der AfD meinten Sie im Vorgespräch, da würde es nicht gehen. Wollen Sie sich bei der CDU, SPD oder anderen Parteien bewerben?

 

 

Maik Scheffler: (lacht) Ich glaube meine Bewerbungschancen wären recht schlecht. Also ich habe noch immer großes Interesse an Politik. Ich verfolge sie und lasse auch oft meine Meinung da. Sehr selten nur noch, weil ich ja früher immer sehr präsent in sozialen Netzwerken war. Ich habe in Sachsen laut einer Statistik als Politiker die meisten Veranstaltungen gegeben und die zweitmeisten Reden gehalten.

 

Ich wollte erstmal nichts mehr davon hören. Aber man kriegt das ja nie los, sieht klarer, weil man sich damit beschäftigt. Ich sehe die Afd mit einem klaren Bild. Die Afd besteht nicht aus nur Rechtsextremisten. Die Afd hat einen riesigen Flügel davon, es sind sehr viele Rechtsextremisten da drin und es sind viele Nazis. Aber auf der anderen Seite gibt es sehr viele Menschen, die man früher rechts zur CDU gesehen hätte. Aber diese Flügel wissen selbst, dass sie eigentlich nicht zusammenpassen. Aus wahlstrategischen Gründen werden sie krampfhaft zusammengehalten. Sowas wird für mich niemals eine Option sein. Die SPD auch nicht, aber aus programmatischer Sicht nicht.

 

Ich hab mir mal überlegt bei den Freien Wählern nur noch auf kommunaler Ebene tätig zu sein. Weil ich noch im Stadtrat und im Kreisrat bin. Natürlich ohne NPD-Mandat. Ich bin jetzt einfach parteilos. Und ich denk mal, wenn man etwas verändern kann, dann nur auf kleinster Ebene. Von der CDU sind schon welche auf mich zugekommen, die mit mir reden wollten. Es kann auch passieren, dass ich am Ende sage: „Ich bin eigentlich zufrieden mit dem was ich mache. Lassen wir das mal mit der Politik. “ Ich weiß es also noch nicht.

 

 

Offenes Haus NRW: Welche waren die damaligen Gründe, die Sie dazu getrieben haben die nationalsozialistische Ideologie zu unterstützen?

 

Maik Scheffler: Der Einstieg, ja?

 

Offenes Haus NRW: Genau.

 

Maik Scheffler: Ich habe mir erst danach Gedanken gemacht, also während der ganzen Präventionsarbeit: Wie ist das überhaupt gekommen? Man kennt das klassische Bild, das halte ich nicht nur für falsch, sondern auch für sehr gefährlich. Man sagt - besonders in den Medien - die Rechten kämen eh alle aus einer bildungsfernen Schicht. Sie sind am sozialen Rand oder haben familiäre Probleme. Aggressionen oder Trennungen hätten eine Rolle gespielt. Es müssen also irgendwelche vorherigen Probleme im Umfeld gewesen sein. Ansonsten passiert sowas gar nicht. Das ist natürlich völliger Unfug.

 

Also ich hab eine Ausbildung, sodass ich heute noch als Lehrkraft arbeiten kann, die hab ich nicht erst nach meinem Ausstieg erworben. Es kann erstmal jeden treffen. Ich teile das immer in drei Gruppen ein: es gibt einmal das Umfeld. Wenn das Umfeld rechts, links oder vielleicht auch islamistisch geprägt ist, dann geht ein Einstieg schneller. Auf der anderen Seite hat man viele Menschen, die nach Ersatz suchen: Ersatzfamilie, Ersatzfreunde, Ersatzanerkennung, die sie draußen nicht haben.

Und drittens haben wir dann Rekrutierung. Direktrekrutierung, wenn bei Menschen emotionale Knöpfe gedrückt werden. Dann ist man auf einmal der Meinung: „Ich muss jetzt etwas tun.“. Bei mir ist es damals so gewesen, dass das Umfeld eine große Rolle gespielt hat.

 

Ich habe immer versucht zu verheimlichen, dass ich eigentlich links geworden wäre. Ich war so ein typisches Wendekind. Zur Wende hin war ich sechzehn Jahre alt. Damals in meiner Erziehung habe ich einen klaren Klassenfeind gehabt: das war der Westen. Wir hatten auch keine Ausländer, wir haben bloß ein paar Vietnamesen und Mosambikaner gehabt. Und die kannten wir damals dann schon nur aus isolierten, externen Unterkünften. Die sind also nie bei uns integriert gewesen. Wir waren schon Lager, Asylbewerberheime gewohnt und hatten ein klares Bild dazu. Und dann war auf einmal die BRD da, die ja eigentlich unser Klassenfeind war. Der Kapitalismus, den wir eigentlich ablehnen sollten. Das habe ich in der Schule so gelernt. Jetzt auf einmal war sie da und das sollte in Ordnung sein.

 

Für die Jugend wurde nichts mehr gemacht. Ab da gab es damals dann die ersten autonomen Kräfte. Die waren weder links noch rechts. Das gab es bei uns gar nicht, also das haben wir nicht wahrgenommen. Da haben wir als erstes ein Haus besetzt, um einen Jugendclub zu bekommen. Meine erste Aktion, die ich je als Radikaler gemacht hatte, war, mich auf ein Haus zu stellen und zu sagen: „Das gehört jetzt uns!“ Das hat auch geklappt. Dann haben wir den eigenen, großen Jugendclub bekommen. Da waren wir so fünfzig, sechzig Leute. Linksextremisten aus Leipzig, organisierte Linksextremisten, kamen an und haben rekrutiert. Haben dann gesagt wie sie sich das vorstellen würden und mit wem man nichts mehr zu tun haben dürfe. Das waren auf einmal meine Freunde, meine Kumpels, die früher so kannte. In bestimmte Gaststätten durfte ich nicht mehr gehen. Das waren auf einmal alles „Nazikneipen“ oder „Faschokneipen“. Das wollte ich mir nicht aufdiktieren lassen. Dann bin ich auf die umliegenden Dörfer ausgewichen, dort hatten wir noch ein paar Jugendclubs gehabt und die waren alle einfach gestrickt.

Da war das alles eher so rechts, aber noch nicht nationalsozialistisch. Das war eine isolierte Gemeinschaft, aber mit klarem Wertebild aus älteren Zeiten. Aber so richtig Ahnung was Nationalsozialismus ist hatte da noch keiner. Ich bin dort hin, weil ich da meine meisten Kumpels hatte, die mir nicht vorgeschrieben hatten mit wem ich jetzt was mache und mit wem nicht.

 

Dort kam es erst später zur Rekrutierung. Vielleicht so ein Jahr später und ganz leise daher und zwar in Form von dem damaligen NPD-Chef vor Ort. Der kam immer mal und hat ein paar Bier ausgegeben. Dann fing er an auch mal eine Rede und mal einen Vortrag zu halten. Hat was springen lassen für die Weihnachtsfeier und sowas. So hat man sich das alles angehört und so bin ich auf die ganzen Themen gekommen. Die fand ich natürlich interessant, weil sie auch interessant erzählt wurden. Dann ist man da irgendwann reingewachsen. Ja, ich bin dann einfach reingewachsen und hatte diese Ideologie für mich aufgenommen wie ich das von der Schule auch gewohnt war. Irgendwann habe ich für mich beschlossen, ich war damals neunzehn: Das ist mein Weg.

Dann habe ich relativ schnell Führungspositionen bekommen. Die waren damals sehr schnell und leicht zu vergeben, man musste nicht viel dafür leisten. So hatte ich mich dann ganz schnell vernetzt. Dann war das ein Kreislauf.

 

 

Offenes Haus NRW: Noch eine Frage dazu: Sie haben am Anfang über emotionale Knöpfe gesprochen, was genau meinen Sie damit?

 

Maik Scheffler: Ich hab mal gesagt, dass ein Rekrutierer - also jemand der Leute für sich gewinnen will – auch die emotionale Ebene erreichen können muss. Wenn man das Einstiegsalter zwischen vierzehn und achtzehn Jahren sieht, sind emotionale Knöpfe die ich drücken kann: meine Zukunft, meine Arbeit, meine Familie, Gefahr, meine Freiheit, sowie meine Zukunft. Wenn ich jetzt irgendwo eine schöne Arbeit haben will, wird das einem natürlich gekonnt madig gemacht, indem man gesagt hat: „Pass auf! Schön, dass du Abitur machst und dass du studierst, aber meinst du denn, du kriegst irgendwann auch den Job, den du haben möchtest? Dafür werden ja bloß noch Billigkräfte genommen, die dann meistens noch aus dem Ausland sind.“ Wir sind in Sachsen sehr von dieser Arbeitnehmerfreizügigkeit betroffen gewesen, sodass gerade alle die aus dem osteuropäischen Raum kamen, Tschechien, Polen, Rumänien und sowas, die Arbeiten bei uns – gerade die auf dem Bau - billig gemacht haben. Das heißt, wir hatten dann auch einen Bezug dazu. Da haben wir ganz schnell das Feindbild aufgenommen: der Staat kümmert sich nicht mehr um uns und Fremde werden uns die Arbeit weggenehmen. Das ganz klassische Bild.

 

Auf der anderen Seite natürlich der Punkt Familie. Dann kommt man mit Statistiken und sagt: „In Deutschland kannst du dir eine Familie mit nur ein eineinhalb Kindern leisten“, so wird dann gerechnet. „Für mehr ist kein Geld da, es fehlt eben, weil wir es ja wieder für andere ausgeben müssen.“. Der Ausländer muss ja immer hinhalten. Was ich danach auch erst richtig begriffen habe, das wir einen Ausländeranteil von 0,8 % gehabt haben, also eigentlich gar keine. Trotzdem konnte man damit wunderbar Stimmung machen. Was man heute auch hat, wenn man sagt: Alles was gerade aus dem arabischen Raum kommt und dem islamischen Glauben angehört ist eine Gefahr für uns. Die Geschichten werden einem von vorneherein, wirklich glaubhaft, interessant, spannend und apokalyptisch nahegelegt. Man macht sich nicht mehr die Mühe und liest quer, holt sich andere Meinungen ein. Denn irgendwann ist man da drin ist.

Ein Rekrutierer sorgt immer dafür, dass man in einem isolierten Raum ist. In einer Blase wo von außen keine Meinung mehr zugelassen wird. Man entwickelt mit diesen ganzen Geschichten eine Abneigung gegen jeden, der etwas anderes erzählt und man sorgt dafür, dass man sich nur noch innerhalb dieser Gruppierungen aufhält. Das heißt, überall wo ich war, da waren nur Menschen, die das gleich gedacht haben wie ich. Da kam nie einer an der das hinterfragt und sagt: „Das glaub ich jetzt nicht, was der da vorne erzählt.“. Dann ist man zusammengeschweißt, eine Gemeinschaft. Und alles was von außen kam, was uns bekämpft hat, was uns abgelehnt hat, das hat uns noch enger zusammengeschweißt. Weil uns das bestätigt hat, dass die Welt da draußen schlecht ist und dass wir der letzten Weisheits Löffel sind.

 

 

Offenes Haus NRW: Wie sehen Sie die aktuelle Politik sehen? Was Trump über Jerusalem gesagt hat, dass er Jerusalem als jüdische Hauptstadt will. In Deutschland und auch in Österreich war die Reaktion groß. In Österreich wurde eine Synagoge angezündet und in Deutschland wurden Juden beleidigt. Die Idee von Trump - was halten Sie davon?

 

Maik Scheffler: Also ich finde das sehr gefährlich, aber auch dass es ein hausgemachtes Problem ist. Das Problem ist ja, dass es weniger die Deutschen sind, die jetzt Israelfahnen verbrennen. Man hat eben nicht wirklich darauf geachtet, wo der Antisemitismus herkommt. Man hat sich immer nur auf den Nationalsozialismus berufen und das beobachtet. Ich finde es sehr gefährlich, wenn man Menschen nach Deutschland holt, in einen völlig kulturfremden Raum.

 

Die Kulturen sind ja völlig unterschiedlich. Deutschland hat auf Grund seiner Vergangenheit eine Pflicht und diese Integration und Nächstenliebe, die finde ich sehr wichtig. Man kann dann aber nicht auf einem Auge blind sein. Ich muss natürlich darauf achten, welche Probleme haben diese Menschen in ihren Ländern mit den befreundeten Staaten wie Israel, welche Probleme herrschen da vor. Das hole ich mir ja alles mit, muss dann aber auch dahingehend die Migrationsarbeit ausweiten. Also ich kann nicht nur dafür sorgen, dass sie Deutsch können, dass sie unsere Kultur kennen und dass sich alle miteinander vertragen. Sondern muss hier auch ganz klar, wir haben früher dazu Gesellschaftskunde gesagt, leisten. Da ist viel zu wenig gemacht worden. Und ich sehe das als ganz große Gefahr an.

 

Ich finde es nicht schlimm was Trump sagt. Das sagt ja nicht nur die Person, das hat Trump nicht erfunden, das wissen wir. Die USA sagt: wir erkennen Jerusalem als Hauptstadt an. Das ist eine Sache in die wir uns vielleicht gar nicht einzumischen haben. Auf der anderen Seite weiß man natürlich ganz genau, dass man mit einer solchen Aussage im gleichen Atemzug dafür sorgt, dass andere Menschen am gleichen Tag noch sterben, weil sich da natürlich Konflikte erheben. Also ich denke jedes Land und jedes Volk soll selbst entscheiden was für eine Hauptstadt es hat, wie es gerne leben möchte. Diese Einmischung von außen - gerade von westlichen Mächten - habe ich damals schon als sehr kritisch empfunden und das empfinde ich heute noch als sehr kritisch. Denn ich denke, wenn es das nicht geben würde, hätten wir auch nicht so viele Weltenbrände, wie man heute so sagt. Das ist also so bei mir geblieben, was ich jetzt allerdings nicht als schlimm empfinde. Man sollte schon eine klare Meinung zur Außenpolitik haben.

 

(es bleibt für einige Zeit still)

 

Traut euch, ihr könnt auch kritische Fragen stellen.

 

Offenes Haus NRW: Man weiß nicht, ob man eine Grenze überschreitet.

 

Maik Scheffler: Nein, ich war jetzt in über fünfzig Klassen und war am Anfang sehr skeptisch: Was kommt da auf mich zu? Können die überhaupt schon richtig mit dem Thema umgehen? Also das ist meine Therapie gewesen. Die haben Fragen gestellt mit denen ich nie gerechnet hätte und die auch sehr helle sind. Da habe ich angefangen mich mit vielen Sachen auseinanderzusetzen, die vorher noch gar nicht in meinem Kopf drin war. Also man kann keine Grenze überschreiten, weil ich mich mit dem Thema auseinandersetzen muss. Wenn man nicht über alles redet, kann man auch nichts verändern. Es gibt viele, die Sachen verschweigen und nur so ein bisschen an der Oberfläche so kratzen wollen.

 

 

Offenes Haus NRW: Also in unserem Politikbuch wurde die NPD vorgestellt und gesagt, dass so eine Partei eigentlich verboten werden sollte. Wie finden Sie das?

 

Maik Scheffler: Generell sollten alle extremistischen Organisationen, auch wenn sie einen Parteinamen haben, sollten verboten werden. Das ist ein Wunschgedanke. Wir leben ja trotzdem in der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Die extremistischen Seiten davon, die sollte man bekämpfen und zwar alle gleich. Die NPD war so unbedeutend als Partei, aber bedeutend als legitimes Dach für extremistische Gruppen. Viele extremistische Gruppen, die mit Demokratie nichts anfangen konnten, waren Mitglieder der NPD oder der Jugendorganisationen. Die Jugendorganisation - gerade in Sachsen - war also klar nationalsozialistisch. Die hatten Angst verboten zu werden. Als NPD ging das nicht und deswegen sind die darunter gerutscht. Also da hätte der Staat, der Verfassungsschutz bessere Arbeit abliefern müssen.

 

Jetzt ist die NPD eigentlich auch wie verboten. Die ist ja nicht verboten, aber eben kaputt. Die sind alle raus aus der NPD. Jetzt gibt es keine Kontrolle mehr. Keiner weiß so richtig, was jetzt eigentlich diese Gruppierungen machen. Ich habe gerade eine Analyse über die Zustände in Sachsen gemacht. Davon steht nichts im Verfassungsschutzbericht, die sind noch gar nicht soweit. Ich denke, verbieten sollte man die NPD nicht, weil man sie so kontrollieren kann. Die NPD selbst hat immer die große Sorge zu viel Gewalt und Radikalität nach außen hin auszustrahlen. Deswegen hat die NPD selbst diese Kontrollfunktion übernommen. Da gab es auch weniger Ausschreitung, weniger Kriminalität, weil die natürlich Angst gehabt haben weniger gewählt zu werden. Das hat man heute alles nicht mehr.

 

Aber es bringt nicht nur etwas Rechtsextreme zu verbieten. Wir haben viele Extreme, die miteinander alle irgendwie koexistieren und voneinander abhängig sind. Wir haben ein riesen Problem mit Linksextremismus. Diese Öffentlichkeitsfahndung wegen des G20-Gipfels. Da sieht man eigentlich wie hilflos unser Staat ist, wenn tausende von vermummten Menschen mit Steinen auf Polizisten werfen, Autos von wildfremden Menschen anzünden, Geschäfte plündern. Das hat alles nichts mit einer Protestbewegung zu tun. Und ich kenne die Linke noch von vor zwanzig Jahren, das war eine Protestbewegung. Mit der hätte ich mich heute in vielen, nicht in allen, Sachen eher identifizieren können. Als es wirklich um soziale Sachen, um menschliche Sachen ging. Um Umwelt, um Frieden, um Gerechtigkeit. Es gab da immer extreme Sachen, aber die waren auch am Rand. Heute ist das alles ein Abenteuerspielplatz für Menschen, die sagen, es sei in Deutschland einfach Chaos zu verursachen. Ich denke unter den 50.000 Gegendemonstranten zum G20-Gipfel waren 45.000 Eventtouristen. Menschen und Kriminelle, die einfach mal alles kaputt mache wollten, sich mal mit dem Staat anlegen wollten.

Das ist eine Sache, die hat sich der Staat auch hausgemacht. Man sieht jetzt, wo sie die Bilder veröffentlichen, dass alle möglichen Personen dort gewesen sind. Hauptsache man kann sich mal auslassen und das finde ich eben wirklich sehr gefährlich. Sowas provoziert wieder die Gegenseite: Es gibt viele Rechtsextremisten und welche, die gerade vielleicht in diesem Zweifelprozess drin sind, ob sie sich einer rechtsextremen Gruppe anschließen oder nicht. Die bekommen sowas mit, sehen sowas. Das ist auch bei uns in Leipzig zum Beispiel so gewesen. Wir haben also ganz, ganz heftigen Linksextremismus. Ich glaube mittlerweile sogar denn schlimmsten. Die sind ja überall dabei. Im europäischen Ausland sind die mit ihren Gruppierungen dabei. Die sind an der Organisation dieser Chaostage immer mitbeteiligt.

Das sehen natürlich andere Extremisten, die dann sagen: „Jetzt müssen wir uns auch zusammentun. Das wollen wir nicht!“. Und jetzt haben wir Zustimmung für Jerusalem, das bringt natürlich Antisemiten auf den Plan. Das ist immer so ein Ding, sobald ein Extremismus stark wird, gibt es Gegenextremismus, der sich daran natürlich auch saugt. Und das finde ich sehr gefährlich.

 

 

Offenes Haus NRW: Noch eine Frage zu etwas anderem: Wenn es zum Beispiel ein Thema gibt über das die Mehrheit redet, bespricht man dann als Partei gemeinsam, ob man sich jetzt dort einmischt oder macht das jeder einzelne für sich? Zum Beispiel mit dem Thema um Trump: bespricht man da zusammen, ob man sich jetzt dazu einmischt und irgendetwas dazu beiträgt?

 

Maik Scheffler: Das ist eine sehr wichtige Frage, weil man ja immer sagt, eine rechtsextreme Partei sei eine Weltanschauungspartei. Eine ideologische, die nichts macht, was gleichgeschaltet ist. Aber genau so ist das. Man setzt sich tatsächlich an den Tisch und sagt: „Das Thema haben wir jetzt. Wie gehen wir damit um?“. Nach der Weltanschauung, die man hat oder nach der Ideologie würde man sagen: „Hier müssen wir uns einmischen.“ oder „Hier müssen wir die Finger von lassen, weil wir auch dagegen sind.“. Das wird nicht getan.

Es wird nur noch geschaut: nützt uns das etwas oder nicht? Wir hatten auf Bundesebene im vorletzten Bundestagswahlkampf, wo ich noch dabei war, Marketing- und Werbeprofessionelle aus der Wirtschaft eingeladen. Die also nicht in der NPD waren. Die sind für viel Geld gekommen und haben die Parteien beraten. Die ganzen Plakate, die Sprüche das war alles strategisch vorbereitet von Menschen, die ansonsten in der Werbeindustrie für VW oder für andere Firmen arbeiten. Und dafür haben die tausende von Euros bekommen. Das ist nicht anders als bei den anderen Parteien auch. Die gucken eben: wie sieht jetzt die momentane Lage aus?

 

Die NPD würde jetzt niemals etwas gegen Jerusalem sagen und die würde auch nichts gegen die sagen, die jetzt Antisemitismus verbreiten, weil sie ja immer damit in Verbindung gebracht wird. Immer tunlichst vermeiden mit Nationalsozialismus in Verbindung gebracht zu werden. Auch wenn sie das eigentlich von der Weltanschauung her müsste. Wenn man in das Programm reinschaut, dann steht da eine ganze klare Haltung gegen Israel und zur Nahostpolitik drin. Das wird aber immer ausgeklammert, wenn es gerade nicht passt.

 

 

Offenes Haus NRW: Was ist denn die Meinung zu Israel und die Weltanschauung? Wir haben uns das Programm nicht durchgelesen.

 

Maik Scheffler: Das Problem ist ein bisschen umschrieben. Man muss natürlich die Meinung kennen, um zu wissen, was gesagt wird. Also Israel wird das Existenzrecht aberkannt. Israel wird nicht als Staat anerkannt. Normalerweise steckt dahinter, dass man ja die Juden generell ablehnt. Das kann man aber so nicht sagen, deswegen wird das umschrieben. Die NPD und alle anderen rechten Parteien sagen, sie erkennen den Staat Israel nicht an, weil er von den Westalliierten gegründet oder geschenkt wurde. Eigentlich steht dieses Gebiet den Palästinensern zu. Somit haben wir einen Landraub. Also sind wir gegen die, weil wir für Palästina sind.

Es wird eine Solidarität mit Palästina hergestellt. Und das ist das perfide, das ich auch damals bei dem Wahlkampf zum Thema Flucht bemängelt habe. Ich sagte, bei den Flüchtlingen sei ein Haufen Palästinenser dabei. Ganz viele, die in Syrien gelebt haben, aber aus Palästina kommen. Werden die jetzt ausgeklammert? Eigentlich solidarisiert man sich ja mit denen. Das Existenzrecht Israels wird ganz klar abgelehnt. Von allen rechtsextremistischen Parteien.